IRONMAN World Championship

Wer einmal unser Rennen am 10. Oktober 2015 erleben möchte, hat hier die Gelegenheit dazu!
Unser Bericht von der IRONMAN World Championship

Raceday
Um 3 Uhr klingelte für uns der Wecker. Eine lange Saison neigt sich einen grandiosen Ende entgegen. Für uns war es der 3 Ironman in 4 Monaten. Unsere Einstellung war klar. Um Zeit ging es hier nicht primär, sondern die Atmosphäre aufsaugen und alles Genießen!
Wir frühstückten um 4 Uhr morgens in großer Runde und anschließend fuhren wir mit dem Auto zum Wettkampfgeschehen. Überall sind nervöse Athleten und Supporter. Diese ganz besondere Stimmung vor einem großen Rennen ist einfach irgendwie ganz speziell und sehr sehr schwer in Worte zu fassen.

Unendlich viele Gefühle durchlebt man in diesen letzten Minuten vor dem großen Rennen.

Nach dem Bodymarking geht es zum Wiegen. Nach dem Rennen werden wir  einige Pfund leichter sein. Soviel ist gewiss. Dann geht es in die Wechselzone, die Getrännkeflaschen mit unserer Wettkampfverpflegung bestehend aus Kohlenhydraten am Rad befestigt, Luft aufpumpen, am Material sollte es nicht liegen. Nochmal kurz die Lage der Wechselbeutel checken. Alles bestens!

Wir schauen uns zusammen den Start der Profimänner und Frauen an. Es ist schon beeindruckend, wie sehr die Weltmeisterschaft zelebriert wird.

Onipa a! Kraft und innere Stärke! Mit diesen Worten schickt der Priester die Profis ins Rennen.

Wir gehen  zusammen zum Einschwimmen, noch mal kurz kneifen, wir beide stehen hier zusammen an der Startlinie. Das ist schon ziemlich überwältigend. Ein paar Tränen für einen ganz besonderen Menschen, einen ganz besonderen Moment und schon sind unserer Schwimmbrillen geflutet.

[Leila] Die nächste Gefühlswelle übermannt mich, als ich merke, dass ich mein Garmin Vector (Wattsystem) bzw. meine Uhr nicht aktiviert haben. Schnell sind wir beide noch mal zum Rad. Dann ging es für Alex in das heilige Wasser, wo zugleich noch mal das Blessing (der Segen) in bester hawaiianischer Tonlage über die Bucht von Kailua Kona hallte.Tausende Zuschauer stehen an der Kaimauer, auch unserer besten Supporter, Trainer, Family Kramer sind dabei. Vielen Dank, dass ihr uns ans andere Ende der Welt begleitet habt. Es könnte nicht perfekter sein. Nach und nach sind dann alle  Agegroup-Männer mit den blauen Badekappen im Ozean und begeben sich schwimmend zur Startlinie.

[Alex] Der laute Knall der Startkanone durchzuckt die angespannte Stille dieses Morgens um 6:50 Uhr und ich  begebe mich mit   circa 1.500 AK-Männer auf die lange Reise. Das Schwimmen war die reinste Prügelei und ich bin froh, nach 1:15 h wieder an Land zu sein.[Leila] In der Zwischenzeit durchzuckt der Knall der Startkanone erneut die unbeschreibliche Stimmung in Kailua Kona. Der Start zur Ironman Weltmeisterschaft ist für mich gestartet. Trotz einem reinen Frauenstart war es die schlimmste Waschmaschine die ich je erlebt habe. Frauen sind einfach brutal. Hände, Füße, Beine überall. Nach 1000 m hatte ich meinen Rhythmus gefunden. Kurze Zeit später befand ich mich schon am Wendeboot bei km 1,9. Nach und nach sammelten wir einige Agegrouper Männer ein, was die Schwimmstrecke noch um einiges verlängerte. Nach 1:10 h war ich wieder an Land. Ich fühlte mich hervorragend. So eine tolle Strecke gibt es definitiv nur einmal auf der Welt.[Alex] Raus aus dem Wasser, kurz abgeduscht. Wechselbeutel schnappen und ab ins Wechselzelt. Dort ist schon der Teufel los. Man merkt, dass dies die Weltmeisterschaft ist – die können alle schwimmen! Wir haben uns beide ausführlich mit Sonnencreme einreiben lassen. Die beste Entscheidung an diesem sehr sehr heißen, schwülen und wolkenlosen Tag. Dann den langen, langen Weg um die ganze Wechselzone herum bis zu unseren Rädern. Raus, aufspringen, Kopf runter und fahren.[Leila] Die erste “Aufwärmrunde” führte durch Kona. Hier ging die Post ab, die Leute fuhren alles was geht massiv den Berg hoch (Kuakini Hwy.), um es dann bergab locker rollen zu lassen. Nicht nach Watt-trainiert was 🙂 Die Radstrecke ist genau mein Dinge. Immer schön Wellen zum Drücken. Nach und nach sammelte ich Männer und auch Frauen ein. Im Großen und Ganzen war Pele an diesem Tag gütig. Die Mumukawinde waren auszuhalten. Dafür gab die Sonne alles. Wolkenlos, schwül und erbarmungslos heiß! An jeder Verpflegungstelle wurde mit mehreren Flaschen Wassern gekühlt. Man merkte an Händen und Füßen das diese durch die Hitze angeschwollen waren. Sicher wie das Amen in der Kirche, beginnt der Wind hoch nach Hawi (Wendepunkt) zu blasen.[Alex] Das Radfahren verlief ganz gut und der Wendepunkt in Hawi hatte uns mit einem kleinen Schauer begrüßt, fast alle Elemente der Erde waren vertreten Regen, Sonne und natürlich Wind.
Nach 5.23 Std. war das Radfahren erledigt und nun stand noch ein kleines Läufchen von 42 km an.[Leila] Das schöne am Gegenwind ist, dass es irgendwann, zumindest mal kurz in Rückenwind übergeht. Und so ging es bergab von der Wendepunktstelle Hawi zusammen mit dem nun starken Seiten-/Rückenwind etwas runter gekühlt durch den Regen, wieder hinab Richtung Kona. Der Tacho zeigte deutlich über 50 km/h an, wie viel es genau waren, keine Ahnung. Dann haben wir starken Seitenwind vom Meer her, der in fiesen Gegenwind vom Scenic Point zurück nach Kona mündet.  Nach 5:35 h beendete ich den Bike-Part.[Alex] Der zweite Wechsel verläuft unspektakulär. Das Rad wird abgenommen. Wieder dürfen wir um die komplette Wechselzone außen herum laufen. Im Zelt wieder ein übles Gedränge. Abkühlen mit Eis, Laufschuhe anziehen, Mütze als Sonnenschutz aufsetzen und los.[Leila] Ich merke, dass ich mal wieder meine Uhr für die Laufpace am Rad gelassen haben. Gehört wohl dazu. Also ist Laufen nach Gefühl angesagt.[Alex] Laufen entlang des legendären Ali’i Drive, der zahlreich mit begeisterten Zuschauern gefühlt war. Ich konnte schnell meine Laufpace aufnehmen und so vergingen Kilometer für Kilometer bis zur Wende am Ali’i Drive.
Auf dem Rückweg hielt ich dann Ausschau nach Leila, die mir entgegen kam und dann sah ich sie.
Kurz angehalten, kleinen Smalltalk und eine kurze Umarmung, Küsschen und mit dem Wissen das bei ihr alles gut war, ging es wieder in den Laufmodus. Der nächste Wendepunkt war das Energy Lab.
Es war ein großartiges Gefühl von dort aus zurück zu laufen, obwohl es noch 10 km waren und eine alte Marathonweisheit besagt, der Marathon beginnt erst ab Kilometern 30-davor ist alles Spaß.
Aber auch das war egal, denn ich wusste das ich meinen Ziel mit jedem verstrichen Kilometer näher kam und das ich Leila nochmal kurz sehe. Und so war es dann auch. Leila kam mir entgegen – wieder angehalten, wieder ein kurzer Talk, Umarmung und Kuss.
Wieder mit dem Wissen, dass es bei ihr soweit läuft, ging es für mich in Richtung Ziel. Es war ein Gefühl, das kann man kaum beschreiben. Sich von den Zuschauern feiern zu lassen und zu wissen, dass ich bei einer Weltmeisterschaft dabei war.
Im Zielbereich eingebogen, habe ich es einfach nur noch genossen, mich mit zahlreichen Leuten abgeklatscht die sich mit mir gefreut haben. Dien Marathon beendende ich in 3:45std. und im Zielbogen stand die Gesamtzeit von 10.33std
Ein langer Traum ging in Erfüllung und das wir es zusammen genießen durften, setzte dem ganzen die Krone auf oder den Lei (hawaiianischer Blumenkranz) um.[Leila] Die ersten Kilometer nach dem Radfahren ein ziemliches rumgeeiere, doch dann findet man irgendwann in den Lauf. Die ersten 15 Km verliefen am Aliídrive, es war heiß. Meine Hände kribbelten und das war ein Zeichen, dass ich mich viel Kühlen sollte. Aber bei Km 6 gab es aufgrund der unterschiedlichen Startzeiten am Ali’i drive kein Eis zum Kühlen und auch das Redbull war alle. Redbull ist mein Retter über den Marathon, denn nichts anders verträgt mein Magen. Doch ohne Energie geht leider viel und so musste ich einige Male gehen. Jede 1,6 Kilometer – also jede Mile war eine Verpflegungsstelle. Also schleppte ich mich von einer Verpflegungsstelle zur nächsten Verpflegungsstelle. Die Abkühlung hielt jeweils ca. eine halbe Meile und die nächste halbe Meile freute man sich auf die nächste Verplegungsstation wie ein ausgetrocknetes Kamel nach 7 Tagen Wüstenspaziergang. Unterwegs trafen Alex und ich uns. Zeit für ein paar Umarmungen und ein kurzes Austauschen. Es blieb mir nichts anderes übrig als ein paar Schlucke Cola am Verpflegungspunkt zu trinken. Fataler Fehler, denn es drehte sich der Magen einmal rum. Unterwegs standen die besten Supporter und weil das Motto genießen war, nahm ich mir die Zeit für ein paar kurze Gespräche. Auch mit Coach Ben wechselte ich ein paar Worte und wir liefen ein Stück die Palani Road zusammen hoch. Kurze Zeit später gab es RedBull und Eis, ich verpflegte mich ordentlich und Oben an der Palani Road hatte ich mich wieder gefangen und es ging wieder ins flüssige Laufen über. Auf dem Weg ins legendäre Energylab lief es für mich wieder gut und Alex und mein Weg kreuzten sich erneut. Kurz umarmt, geküsst und weiter ging es. Es ging uns beide gut. Besser konnte es nicht laufen. An jedem Verpflegungspunkt gab es eine Dose Redbull und so erreichte ich die Palani Road noch in der Dämmerung.
Kurz vor dem Zieleinlauf standen Alex und die besten Supporter. Einmal alle umarmt-so viel Zeit muss sein und dann ging es mit ausgestreckten Armen in die Zielgerade. Unbeschreiblich. Meinen Zieleinlauf wollte ich aufsaugen, einfach genießen. Und so ging ich die letzten Meter und dann hörte die Stimme des Ironmansprechers Mike Reilly:
YOU ARE AN IRONMAN. Mit 11:21 h beendete ich das Rennen auf Hawaii.