Ironman Xiamen – China

Am nächsten Morgen wollten wir die autofreie Insel Gualangyu besuchen. Also sind wir mit dem Taxi für 5 Euro (15 Kilometer) zum Bootsterminal gefahren. Dort war es eine Herausforderung ein Ticket für das Boot und die Insel selbst zu ergattern. Irgendwann hatten wir aber jeder ein Ticket und mussten jetzt noch etwas auf die Fähre warten, wie die anderen zig-Personen. Die Bootsüberfahrt war sehr schön, auch hier hatte man nochmal einen tollen Blick auf Xiamen. Auf Gualangyu angekommen, gönnten wir uns erst mal eine frische Kokosnuss. Was für ein großes Ding und so lecker. Die Insel, auch Klavierinsel genannt, ist nicht sehr groß und man kann im Grunde an einem Tag recht entspannt die Insel umrunden und erkunden. Das machten wir dann auch. Eintritt für bestimmte Sehenswürdigkeiten sind noch mal extra zu bezahlen, halten sich aber im Rahmen. Wir wollten auf den höchsten Punkt der Insel, auf den Felsen des Sonnenlichtes,  und hatten gleichzeitig ein kleines Treppentraining. Von oben sah man, dass die Insel doch ganz gut bebaut ist. Überall wurden Villen im Kolonialstil errichtet. Den Tag verbrachten wir noch entspannt hier. Die Bootsüberfahrt zurück ist schnell erzählt. Viele Menschen und wir mittendrin. Uns sprach ein Chinese auf Englisch an und wir hatten eine gute Kommunikation miteinander. Er ist Englischlehrer und wohnt nah an Xiamen. Haha – 5 h mit dem Schnellzug. Gemeinsam gingen wir noch etwas Essen, er mit Schlürfen in chinesischer Manier, wie europäisch :). Er begleitete uns noch zu dem chinesischen Arzt und übersetzte mir alles. Ich trinke jetzt 3 Monate Tee!

Die nächsten Tage hielten wir uns in unserer Hood auf, trainierten und ruhten uns für den Wettkampf aus.

Wettkampfvorbereitung, Wettkampf und die Tage danach!

Die Wettkampfvorbereitung ist schnell erzählt und mittlerweile beim jedem Wettkampf der WTC standardisiert! Samstag ist die Abgabe der Fahrräder in der Wechselzone, dazu kommt die Kleidung für das Laufen und Radfahren. Vorher gab es für uns eine kurze schnelle Vorbelastung von ein paar Intervallen auf dem Rad und einem kleinen Koppellauf.

Raceday:

Der Start war 7 Uhr. Entsprechend zeitig durften wir aufstehen – 4 Uhr morgens. Wir nahmen etwas Nahrung auf und bereiteten unsere Wettkampfverpflegung vor. Gegen 5 Uhr verließen wir das Hotel Richtung Wechselzone.  Nach ein paar Minuten sind wir am Strand angekommen. Dort wurden kleine Elektroshuttle eingesetzt um die 600 m bis zur Wechselzone nicht laufen zu müssen. Abgefahren. Wir haben unsere Räder mit den Trinkflaschen bestückt und uns recht schnell aus dem Gewusel entfernt.

Gegen 6:30 Uhr hatten wir den Neoprenanzug an und schauten pünktlich den Start der Profis zu. Wir haben es bevorzugt unsere Schwimmeinheiten im Hotelpool zu absolvieren, da wir nicht wussten, was uns im Meer erwartet. Jedenfalls gab es viel Strömung. Alle 5 Sekunden wurden 2 Leute ins Wasser gelassen. Alex startete ein 5 Sekunden vor mir. Dann folgte das Signal für meinen Start. Also schnell ins Wasser rennen und möglichst schnell versuchen den Rhythmus zu finden. Das gelang mir gut. Mein neuer Neopren von Zoot schwimmt sich großartig. Der hat so wenig Neopren am Arm und hat dadurch so viel Bewegungsfreiheit. Ich bin begeistert (beim Ironman Wales (www.leila-kuenzel.de/ironman-wales  konnte ich durch das zu kalte Wasser leider nicht schwimmen). Die Orientierung zu den aufgestellten Bojen war nicht ganz so einfach. Die Strömung zog einen wirklich immer wieder Richtung Land. Ich überholte einige Athleten und was soll ich sagen… es lief bzw. schwamm sich einfach wunderbar. Nach der Hälfte der Strecke entdecke ich eine mir sehr bekannte Schwimmbrille und einen mir sehr bekannten Neoprenanzug. Das ist der Zeitpunkt sich das Lachen zu verkneifen, damit die Schwimmbrille nicht geflutet wird. Es war Alex! Jetzt hatten wir auch Glück mit der Strömung und mit jeder großen Welle wurde man schubartig weitergeschoben. Kurz vor Ende der Schwimmstrecke bewege ich die Beine bewusst stärker damit der Körper wieder richtig durchblutet wird und es mir beim Ausstieg nicht so schwindlig ist. Nach 25:21 min verließ ich das Wasser und hatte die ersten 1,9 Kilometer weg.

Jetzt ging es auf zur Wechselzone. Die Utensilien fürs Radfahren schnappen, Neo aus, Helm auf und schnell zum Rad laufen. Die Wechselzone war ca. 600 m lang und weil ich mich nicht als AWA Athlet gemeldet hatte, durfte ich mein Bike von ganz hinten bis ganz vor durch die Wechselzone schieben. Naja, gibt schlimmeres! Als ich aus der Wechselzone raus bin, springe ich aufs Rad und ziehe meine Schuhe auf dem Rad an. Der Wind blies schon ziemlich heftig und ich hatte mit meinem hohen Vorderrad gut Mühe alles auszubalancieren. Ja, in China ist alles anders. Hier wird eben mal eine 6 spurige Straße komplett mit Gittern abgesperrt und alle 50 m steht ein Polizist und überwacht alles. Fahren wie auf einer Autobahn. Ich entschied mich diesmal ohne Wattsystem zu fahren und verlies mich auf mein Gefühl. 2 Runde á 45 km mit 800 Höhenmetern und feinstem Asphalt. Fetzt. Mich überholte eine Dame, dann ich sie wieder, am Ende gingen wir im Abstand von paar Sekunden gemeinsam von der Radstrecke. Ich habe schnell noch die Schuhe am Rad ausgezogen und lief Barfuß in die Wechselzone. Jetzt verfluchte ich tatsächlich kein AWA Athlet zu sein, denn meine Radschuhe drehten sich so bescheiden am Rad, dass sie immer wieder am Boden aufkamen und mein Rad dadurch kurz hüpfte … da können 600 m lang sein. Egal. Erwähnte ich, dass es nie einen perfekten Wettkampf geben wird. Das ist meine persönliche Theorie, damit man nie aufhört.

Nachdem ich mein Rad abgestellt hatte, ging es schnellen Schrittes zu den Utensilien für das Laufen. Schuhe an, Visor auf, Gelflasche in die Hand und los. Vor mir waren schon einige schnelle Athletinnen aus meiner AK. Genaues weiß man durch den Rolling Start ja nie & Supporter hatten auch nicht vor Ort.  Es fühlte sich nicht gerade locker an. Also versuchte ich eine einigermaßen verträgliche Pace zu finden und mich zu versorgen. Der Wind blies von vorne und erschwerte das Laufen. Es waren 3,5 Runden zu laufen. Alex kam mir irgendwann entgegen und ich konnte seinen Blick nicht deuten und ich hatte auch keinen Überblick wie er positioniert war. Also wieder Fokus auf mich und laufen. Nach den 3,5 Runden und 20 Komma irgendwas auf der Uhr lief nur noch der Kopf und der fühlte sich schon ganz schön verarscht. Eine drückende Hitze setzte allen Läufern zu. Der letzte Kilometer war nochmal richtig lang… vor allem  weil ich mit einem ganz anderen Zielkanal gerechnet habe! Kämpfen und Leiden hatte ich beim Ironman Wales ja schon gut gelernt dieses Jahr. Dann kam endlich das erlösende Ziel!!!! Ich wollte nur noch kaltes Wasser über meinen Kopf laufen lassen. Ich glaube es ist verdunstet. haha! Alex kam mir entgegen und brauchte mir kaltes Wasser. Ihm erging es ähnlich. Internet funktioniert in China ja nur bedingt. Alex hatte jemanden gefragt und er wusste bereits, dass er 1. In seiner AK war. Sein Hawaii Slot ist sicher. Also geht es nächstes Jahr zur WM. Wir liefen zum Hotel und checkten unsere Ergebnisse. Ich hatte den 2. Platz belegt. Bei mir gibt es nur einen Slot. Normalerweise.

Am Abend gingen wir zur Siegerehrung und Slotvergabe. Wir beide stehen zusammen auf dem Podium! Yes! Gefällt mir – gefällt uns. Zur Slotvergabe hieß es dann für Alex TIME TO KONA! Die Slotvergabe der Frauen war dann etwas chinesisch. Was in der Zwischenzeit passiert ist, könnt ihr hier lesen! Am Ende haben wir BEIDE unseren Slot für Hawaii und nun heißt es KONA2GETHER! Ein aufregendes Jahr 2017!

Bleibt alle gesund habt ein tolles Weihnachtsfest und ein wunderbares Jahr 2018! Ich danke allen, die mich 2017 begleitet haben! Es war mir ein Fest!